Warum Skyseed?

Skyseed
4 min readFeb 12, 2021

Unsere Reise mit Skyseed hat gerade begonnen und wir wollen euch daran teilhaben lassen. Wir werden hier in den nächsten Wochen und Monaten einerseits über unsere Fortschritte berichten, welche Fragen uns beschäftigen, welche Probleme uns Kopfzerbrechen bereiten, Tips und Tricks zu Fundraising und Teamaufbau, die Skyseed Zukunftspläne usw.

Andererseits ist es uns, über diese typischen Startup- / Businessthemen hinaus, sehr wichtig, möglichst viele Menschen für die Probleme, die im Wald insbesondere durch die klimatischen Veränderungen entstehen, zu sensibiliseren und gemeinsam aktiv zu werden:

  • Was passiert da gerade und warum sollte Dich das als (Nicht-)Waldbesitzer überhaupt kümmern?
  • Welche Möglichkeiten des Gegensteuerns gibt es und was wollen wir mit Skyseed beitragen?
Danke an Gottfried Hoffmann für dieses Bild, lizensiert unter Creative Commons Attribution 3.0 Unported.

Aber von vorne: warum Skyseed?

Es begann alles mit einem Waldspaziergang im Hitzesommer 2018. Es war über 40 Grad, im Wald vllt 36 Grad, die Luft stand und man hörte… nichts. Es war absolut still. Kein Vogelgezwitscher, kein Spechtgeklopfe, nicht mal Insektengesumme. Der normalerweise grüne Bodenbewuchs war flächig braun, sogar die Brennnesseln lagen vertrocknet da. In diesem Moment habe ich das erste Mal richtig gefühlt, nicht nur im Kopf verstanden, was die Klimakatastrophe ist. Nicht irgendwo weit weg, nicht in ein paar Jahrzehnten, sondern genau jetzt und hier. Mit meinem 4-jährigen Sohn an der Hand, im stummen Wald.

Der Status Quo im Deutschen Wald

Quelle: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/aktuelle_meldungen/200103/temperatur_d_2019_langfristig.html

2018 sollte als das heißeste Jahr Deutschlands in die Geschichtsbücher eingehen, 2020 und 2019 folgen inzwischen auf den Negativspitzenplätzen 2 und 3.

Quelle: https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.html#buehneTop

2018 war aber nicht nur deutlich zu warm, sondern vor allem auch deutlich zu trocken. Der Sommer 2018 war der zweittrockenste Sommer Deutschlands.

Im darauffolgenden Frühling sah man, dass viele Bäume dieser Hitze und Trockenheit nicht gewachsen waren, in einigen Regionen sind ganze Reviere flächig abgestorben. Und das ist aller Wahrscheinlichkeit nach erst der Anfang, denn nach allen Klimamodellen wird es in den kommenden Jahren in Deutschland weiter wärmer und vor allem in den Sommermonaten auch trockener werden.

Mit diesen sich rapide verändernden klimatischen Bedingungen kommt in den letzten Jahren insbesondere die Fichte, der sogenannte “Brot und Butter” Baum der Forstwirtschaft, nicht mehr zu Recht. Die mit knapp 25% der Waldfläche in Deutschland am häufigsten vorkommende Art kommt natürlicher Weise nur in kühleren Höhenlagen vor, wurde aber aufgrund ihres schnellen, geraden Wachstums, häufig in Monokultur, quasi überall angebaut.

Das BMEL hat für die Jahre 2018–20 einen kummulierten Schadholzanfall von 178 Millionen Kubikmeter errechnet, womit alleine in Deutschland aktuell eine Fläche von über 300.000 Hektar wiederbewaldet werden muss (Quelle). Dabei fällt mit der Fichte der forstwirtschaftlich wichtigste Baum Deutschlands dem Klimawandel als erster zum Opfer: Experten gehen davon aus, dass die Fichte außerhalb ihrer natürlichen Vorkommensregionen in wenigen Jahren weitestgehend ausgestorben sein wird. Aber auch um die meisten anderen Baumarten steht es nicht gut und mit jedem weiteren trockenen Sommer verschärft sich die Situation. Aktuell gelten nur noch ca. 20% der Bäume in Deutschen Wäldern als gesund. Einen tieferen Einblick gibt der jährlich erscheinende Waldzustandsbericht.

Düstere Aussichten — was können wir tun?

Die Herausforderungen sind gewaltig: während die Schadflächen eiligst wieder aufgeforstet werden müssen, und zwar nicht erneut als Monokultur, sondern als naturnaher Mischwald, der für die klimatischen Veränderungen anpassungsfähiger ist, muss der weitere Verlust von Waldflächen durch den überfälligen Waldumbau eingedämmt werden.

Während High-Tech zur Holzernte entwickelt wurde und teilautonome Vollernter in einem Durchgang fällen, entasten, entrinden und zuschneiden, und dabei die Waldböden auf Jahrzehnte verdichten, geschieht sowohl die Neuaufforstung als auch der Umbau bestehender Wälder, weitestgehend wie vor 1.000 Jahren: zu Fuß, per Hand, mit der Schaufel. Dies ist natürlich verbunden mit großen Arbeitsaufwänden, es fehlt vierlerorts an geschultem Personal, der Job ist anstregend und gerade auch in Totbeständen durchaus nicht ungefährlich.

Mit Skyseed wollen wir hier unterstützen, denn wenn wir eines nicht haben beim vom Klimawandel bedrohten Wald, dann ist das Zeit. Während die manuelle Aufforstung eines Hektars (10.000qm) Tage benötigt, brauchen unsere Quadrocopter hierfür wenige Minuten.

Wie das genauer vonstatten gehen soll, was die Vor- und Nachteile unseres Ansatzes sein werden und wie die ersten Schritte konkret aussehen, dazu demnächst hier mehr.

Bis dahin wie immer: wir freuen uns sehr über Feedback, Anregungen und Ideen!

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