Skyseed ist High Tech. Naturnah.

Skyseed
3 min readFeb 26, 2021

Ohne den Eingriff des Menschen vermehren sich Bäume durch die sogenannte Naturverjüngung: Bäume bilden Samen aus, die sie über unterschiedliche Mechanismen in großen Mengen in ihrer Umgebung verteilen.

Genau diesen natürlichen Prozess imitieren wir mit Skyseed, nur eben auch auf Schadflächen, bei denen der natürliche Prozess temporär zum Erliegen gekommen ist. Außerdem sind wir nicht nur auf die bereits vorhandenen Arten limitiert, sondern können darüber hinaus auch neue Arten einbringen, die in der Region vielleicht noch nicht heimisch sind, aber mit den zukünftig zu erwartenden klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen könnten, als der aktuelle Bestand.

Danke an Dcrjsr für dieses Bild unter Creative Commons Attribution 3.0 Unported.

Das ist der Kern von Skyseed weshalb die vielleicht bekannteste Variante der Baumsamen, die Flugsamen der Ahornarten, auch für unser Logo Pate stand.

Mit Tech-Präzision natürliche Fülle immitieren

Auch wenn wir uns wann immer möglich an den Abläufen der Natur orientieren, einfach weil ihre Verfahren in Jahrtausenden evolutionär ausgebildet und optimiert wurden, gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Natur schöpft immer aus der Fülle, kennt keine Begrenzung durch ökonomische Kalkulationen und trotzdem verschwendet sie nicht: selbst Saaten, die nicht aufgehen, enden als Tierfutter oder werden durch Verottungsprozesse wieder zu Erde.

Eine Eiche wirft beispielsweise bis zu 150kg Eicheln in einem Jahr um sich herum ab, von denen nur wenige wieder keimen und anwachsen müssen, um die Naturverjüngung sicher zu stellen. Das Wunder der Natur.

Diese Mengen sind für uns allerdings nicht nur ökonomisch nicht abbildbar, sondern auch ökologisch nicht sinnvoll: durch den Trockenstress vieler Bäume produzieren diese auch immer weniger hochwertige Samen, weshalb wir versuchen, so wenig Saatgut wie möglich einzusetzen. Wie können wir also einerseits achtsam und sparsam mit den Samen umgehen und andererseits trotzdem nach wenigen Jahren viel Baumnachwuchs auf den von uns besähten Flächen sicherstellen?

Die Skyseed Optimierungen

Um die Fülle der Natur auszugleichen und gleichzeitig Ressourcen zu schonen, entwickeln wir in den folgenden beiden Bereichen völlig neuartige Ansätze:

  1. Voranalyse des Aussaatareals: mit Hilfe von Satelliten- und Drohnenüberflugsdaten erfassen wir die örtliche Topologie, Wege und Bachläufe, Vorbestand, Bodenbewuchs, Hindernisse wie Felsen, Baumstümpfe uvm. In Kombination mit Boden- und Klima(szenario)daten können wir so einen für die Region auch zukünftig geeigneten Artenmix zusammenstellen und die geeignetsten Aussaatareale identifizieren. Gleichzeitig können wir Bereiche mit niedriger Anwachswahrscheinlichkeit von vorne herein ausschließen.
  2. Aufbereitung der Samen: um die Keimungs- und Anwachswahrscheinlichkeit zu erhöhen, entwickeln wir Prozesse, die die Widerstandskraft unsere Saaten verbessern. Das Verfahren ist komplex, aber auf einen dieser viele kleinen Helferlein möchte ich kurz im Speziellen eingehen: Mykorrhiza, Wurzelpilze.

U.a. die Ökologin Suzanne Simard erforscht diese Wurzelpilze seit +30 Jahren in den kanadischen Wäldern und auch wenn nicht alle ihrer Ergebnisse unumstritten sind, konnte sie nachweisen, dass Keimlinge bis zu vier mal häufiger überleben, wenn sie frühzeitig an das unterirdische Mykorrhizanetzwerk Anschluss finden. Mykorrhiza gehen Symbiosen mit Baumwurzeln ein und verbinden diese miteinander, so dass ein unteriridisches Netzwerk entsteht, in dem u.a. Nährstoffe wie Zucker transportiert und ausgetauscht werden.

Wissenschaftlich völlig unstrittig, aber noch wenig in der Praxis bekannt und genutzt, ist hingegen die Tatsache, dass Mykorrhizapilze Mineralstoffe und Wasser sehr viel besser aus dem Boden lösen können als die Baumwurzeln selbst. Das verbessert im Symbiosefall die Stickstoff-, Phosphat- und Wasserversorgung der Bäume messbar, was sich wiederum positiv auf die Widerstandskraft gegen Pathogene und Schädlinge sowie die Trockenheitstoleranz auswirkt.

Der TED Talk von Suzanne Simard sei euch hiermit also besonders ans Herz gelegt.

Fazit: Der Wald als Superorganismus

Das ökologische Verständnis von “Wald” entwickelt sich weiter und die forstwirtschaftlichen Methoden stehen mit den unnatürlich schnell stattfindenden Klimaveränderungen vor gewaltigen Herausforderungen, zu deren Lösung wir auch die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaften miteinbeziehen müssen.

Der Wald ist ein gefährdeter, aber zugleich vor allem faszinierender und für unser aller Überleben notwendiger Superorganismus, viel mehr als nur eine Ansammlung von Einzelbäumen. Und entlang dieser zentralen Erkenntnis richten wir Skyseed aus.

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